Neuartiges Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19)

27.02.2020

In Deutschland sind bislang nur wenige bestätigte Infektionsfälle mit dem neuen Coronavirus (SARS-CoV-2) aufgetreten. Nach dem Infektionscluster bei einer Firma in Bayern und einzelnen Fällen bei den deutschen Staatsbürgern, die Anfang Februar 2020 aus Wuhan ausgeflogen worden waren, sind am 25.2.2020 Erkrankungsfälle in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg bekannt geworden. Fast alle Patienten aus dem Infektionscluster in Bayern wurden inzwischen genesen aus dem Krankenhaus entlassen.

Das Robert Koch-Institut erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein. Auf globaler Ebene handelt es sich um eine sich sehr dynamisch entwickelnde und ernst zu nehmende Situation.

Mit einem Import von weiteren Fällen nach Deutschland muss gerechnet werden. Auch weitere Übertragungen, Infektionsketten, lokale Infektionsgeschehen und Ausbrüche sind in Deutschland möglich. Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland aktuell als gering bis mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers ist wahrscheinlich. Diese Einschätzung kann sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

Die erforderlichen Maßnahmen werden kontinuierlich an den Stand der Kenntnisse angepasst. Die aktuellen Informationen finden Sie auf der Homepage das RKI:

RKI

 

Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung der Empfehlungen zum Umgang mit Patienten bei denen eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) vorliegen könnte.

 

Falldefinitionen

Klinisches Bild

Spezifisches klinisches Bild eines COVID-19, definiert als:

- akute respiratorische Symptome jeder Schwere

Unspezifisches klinisches Bild eines COVID-19, definiert als mindestens eines der beiden folgenden Kriterien:

- unspezifische Allgemeinsymptome,

- krankheitsbedingter Tod

Labordiagnostischer Nachweis

- Nukleinsäurenachweis (z.B. PCR).

Epidemiologische Bestätigung

Epidemiologische Bestätigung, definiert als mindestens einer der beiden folgenden Nachweise unter Berücksichtigung der Inkubationszeit:

- epidemiologischer Zusammenhang mit einer labordiagnostisch nachgewiesenen Infektion beim Menschen

durch

- Mensch-zu-Mensch-Übertragung

- Aufenthalt in einem Risikogebiet

Inkubationszeit maximal 14 Tage

Zusatzinformation

- Kontakt zu einem bestätigten Fall ist definiert als Vorliegen von mindestens einem der beiden folgenden Kriterien innerhalb der letzten 14 Tage vor Erkrankungsbeginn:

Versorgung bzw. Pflege einer Person, insbesondere durch medizinisches Personal oder Familienmitglieder

Aufenthalt am selben Ort (z.B. Klassenzimmer, Arbeitsplatz, Wohnung/Haushalt, erweiterter Familienkreis, Krankenhaus, andere Wohn-Einrichtung, Kaserne oder Ferienlager) wie eine Person, während diese symptomatisch war.

- Der Aufenthalt in einem Risikogebiet ist definiert als Reise oder Wohnen in einem betroffenen Gebiet (Risikogebiet) innerhalb der letzten 14 Tage vor Erkrankungsbeginn. Als Risikogebiet werden Gebiete mit anhaltender Mensch-zu-Mensch-Übertragung („community transmission“) eingestuft. Die Risikogebiete werden regelmäßig auf Basis von epidemiologischen Kriterien neu bewertet und auf den Internetseiten des RKI aktualisiert: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogebiete.html

 

Hinweise zur Diagnostik (siehe hierzu den Link zum Flussdiagramm unten)

Die labordiagnostische Abklärung des Verdachts auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) erfolgt mittels eines PCR-Nachweissystems.
Proben sollten wenn möglich parallel aus den oberen und den tiefen Atemwegen entnommen werden.

tiefe Atemwege:

  • Bronchoalveoläre Lavage
  • Sputum (nach Anweisung produziert bzw. induziert)
  • Trachealsekret

obere Atemwege: (kein Abstrichtupfer in Gelmedium)

  • Nasopharynx-Abstrich (E-Swab-Abstrichtupfer oder trockener Abstrichtupfer), -Spülung oder -Aspirat
  • Oropharynx-Abstrich (E-Swab-Abstrichtupfer oder trockener Abstrichtupfer)

Für die Untersuchung auf andere Infektionserreger wie Influenza Viren
bitten wir um die Einsendung einer separaten Probe.  

Probenentnahme

Bei Patienten mit begründetem Verdachtsfall sind die Hygienemaßnahmen (Patient in separatem Raum mit Mund-Nasen-Schutz; Personal: Einmalschutzkittel, Handschuhe, Schutzbrille, mind. FFP2-Maske) einzuhalten. Es muss eine Meldung an das Gesundheitsamt erfolgen. Bei stationärer Einweisung empfiehlt es sich die Probenentnahme im Krankenhaus durchzuführen.

Bei der differentialdiagnostischen Abklärung von respiratorischen Symptomen sollten ebenfalls Hygienemaßnahmen (Patient mit Mund-Nasen-Schutz; Personal: Einmalschutzkittel, Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz und ggf. Schutzbrille) eingehalten werden. Hier erfolgt keine Meldung an das Gesundheitsamt. Da eine Entnahme von Sputum nicht immer möglich ist, bzw. auch nur bei vorhanden sein einer FFP2-Maske erfolgen sollte, reicht hier eine Abstrichprobe, welche dann getrennt von anderen Proben an uns gesandt wird.   

 

Umgang mit Probenmaterialien

Ab sofort besteht die Möglichkeit die Untersuchung auf COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) in unserem Partnerlabor in Heidelberg durchführen zu lassen.

Vor Einsendung von Proben bitten wir um eine telefonische Vorankündigung unter 0231-86027-0. 

Die abgenommenen Proben sollen getrennt von den sonstigen Proben in einer Notfalltüte (optimalerweise mit vorheriger Umverpackung) mit dem Fahrdienst an unser Labor eingesandt werden. Bitte kennzeichnen sie die Notfalltüte zudem mit einem Vermerk, dass es sich um einen Coronavirus Verdacht handelt. (z.B.: mit Edding auf die Tüte schreiben)
Wir leiten die Proben anschließend nach Heidelberg weiter.

 

Präventionsmaßnahmen

Bei Patienten mit Verdacht auf eine Erkrankung durch Coronavirus COVID19 – Verdachtsfälle – wird zunächst ein Vorgehen zur Prävention der Übertragung durch Tröpfchen empfohlen:

  • Patienten tragen außerhalb eines Isolierzimmers einen mehrlagigen Mund-Nasen-Schutz mit korrektem Sitz,
  • Unterbringung von Patienten erfolgt in einem Einzelzimmer (möglichst mit eigener Nasszelle), ggf. Kohortenisolierung,
  • Personal verwendet mind. FFP2 Masken, Schutzkleidung, Schutzbrille und Handschuhe
  • konsequente Einhaltung der Basishygienemaßnahmen.

Handelt es sich um einen wahrscheinlichen Fall oder mittels Labordiagnostik bestätigen Fall einer Infektion, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

  • Isolierung in einem Zimmer mit Vorraum/Schleusenfunktion
  • Verwendung von mindestens FFP2-Masken als Atemschutz
  • Sofern in den Patientenräumen eine raumlufttechnische Anlage betrieben wird, über die eine Verbreitung von Luft auf andere Räume möglich ist, ist diese abzustellen.

 

Robert Koch Institut
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Massnahmen_Verdachtsfall_Infografik_Tab.html


Stand: 27.02.2020