Neue Definition der Kategorie „I“ bei Resistenztestungen ab 01.01.2020

Wichtige Änderung in der Interpretation unserer Antibiogramme

EUCAST (European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing), nach dessen Vorgaben wir Resistenztestungen durchführen, hat die Definition der Kategorie “intermediär” (I) geändert.

Nach einem Übergangsjahr werden nun diese Änderungen auch bei der Resistenztestung relevant und ab 01.01.2020 in unseren Antibiogrammen sichtbar.

In der bisherigen Einteilung der Antibiotika-Empfindlichkeit von “sensibel”, “intermediär” und “resistent” wurde unter “intermediär” eine antimikrobielle Empfindlichkeit des betreffenden Erregers verstanden, die mit einem unsicheren Therapieerfolg assoziiert war.

Die Kategorie „I“ wurde neu definiert als „sensibel bei erhöhter (increased) Exposition“ (des Erregers gegen ein Antibiotikum) und erhält dadurch eine eindeutige Interpretation. Die erhöhte Exposition kann erreicht werden durch

  1. Höhere Dosierung des Wirkstoffes und geänderte Dosierungsintervalle
  2. Optimierte Darreichungsform (z. B. prolongierte Infusionsdauer, i.v. Applikation)
  3. Natürliche Anreicherung am Infektionsort (z. B. Harnwege)

Durch diese Maßnahmen bzw. das Ausnutzen dieser Effekte lassen sich ebenso gute Therapieerfolge erzielen, wie durch den Einsatz von Antibiotika in Normaldosis bei Keimen, die als „sensibel“ eingestuft werden.

Die zu Grunde gelegten Dosierungsschemata sind unter folgendem Link einsehbar:

http://www.nak-deutschland.org/aktuelleVersion.html


Neue Definition von S, I und R

S Erreger ist sensibel gegenüber dem Antibiotikum bei normaler Exposition. Therapieerfolg bei Verwendung der Standarddosis in der üblichen Darreichungsform anzunehmen.    
I Erreger ist sensibel gegenüber dem Antibiotikum bei erhöhter (increased) Exposition. Therapieerfolg anzunehmen z.B. bei Hochdosistherapie oder optimierter Applikation.    
R Erreger ist resistent gegen das Test-Antibiotikum. Auch bei erhöhter Exposition kein Therapieerfolg zu erwarten.    

Antibiotika Dosierung - Standard- und Hochdosis

Die Resistenztestungen werden entsprechend der Empfehlungen der EUCAST (European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing) durchgeführt. Die EUCAST-Dosierungen beziehen sich auf die Tagesdosis für Erwachsene ohne Therapiemodifizierende Faktoren.

Hierbei wird zwischen einer Standarddosierung ("S" getestet) und einer hohen Dosierung ("I" getestet) unterschieden.

Die hier aufgeführten Dosierungen entsprechen in gekürzter und teilweise modifizierter Version den Dosierungstabellen des NAK (Nationales-Antibiotika-Sensitivitäts -Komitee) und der EUCAST für Standard- und Hochdosis.

Sie ersetzen nicht Leitlinien oder spezifische nationale oder regionale Dosierungsempfehlungen und weichen im Einzelfall davon ab. Die richtige Dosierung ist vom Anwender in jedem Einzelfall zu überprüfen!

Die Liste zeigt die von uns am häufigsten getesteten und i.d.R. klinisch eingesetzten Subsatnzen. Durch anklicken können sie die Bilder vergrößern. 


Änderung der MRGN-Klassifikation

Bei der bisherigen Einteilung multiresistenter, gramnegativer Stäbchen (MRGN) wurden die Kategorien „intermediär“ und „resistent“ als „nicht empfindlich“ zusammengefasst.

Angesichts der neuen Definition von „I“ als „sensibel bei erhöhter Exposition“ ist dies nicht mehr sinnvoll.

Für die Enterobakterien (z. B. E. coli, Klebsiella spp. und Proteus spp.), Acinetobacter baumannii complex sowie Pseudomonas aeruginosa ergibt sich folgende Konsequenz: Ab dem 01.01.2020 ist bei unseren Befunden für die Klassifikation als MRGN bei den Indexantibiotika nicht mehr „R“ und „I“, sondern nur noch das Testergebnis „R“ relevant.

Weiterhin führt der Nachweis einer Carbapemenase immer zur Klassifikation als 4-MRGN-Erreger

(auch wenn phänotypisch keine voll ausgeprägte Resistenz vorliegt).

Dieses Vorgehen entspricht den aktuellen Empfehlungen der KRINKO, siehe Epidemiologisches Bulletin 9/2019, z. B. unter folgendem Link:

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2019/Ausgaben/09_19.pdf?__blob=publicationFile